Obst- und Gartenbauverein Gränichen
Besichtigung Bio-Obstanlage Brunner Steinmaur
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Besichtigung Bio-Obstanlage Brunner, Steinmaur

15 Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Gränichen besuchten am 17.09.2016 den Bio-Obstgarten von Hans Brunner in Steinmaur. Trotz bedecktem Wetter blieben wir während der ganzen Veranstaltung trocken.

Der Bauernhof in Steinmaur ist über 200 Jahre in Familienbesitz. Einst der grösste Spargellieferant im Kanton Zürich, wurde vor 100 Jahren mit der Obstverwertung begonnen und die noch heute bestehende Mosterei gebaut. Heute betreut Hans Brunner über 400 Hochstammbäume und mehr als 500 Niederstammbäume alleine.

Im Informationspavillon sind einige der alten Maschinen ausgestellt, die erahnen lassen, dass die Obstverwertung früher eine anstrengende Arbeit gewesen ist. Auf zahlreichen Informationstafel wird viel Wissenswertes über den Obstgarten und die Herkunft der verschiedenen Obstsorten vermittelt und seit einigen Jahren wird auch ein «Apfel des Jahres» gekührt.

Biodiversität wird im Obstgarten von Hans Brunner grossgeschrieben. So finden sich Obstbäume verschiedenster Sorten, ohne dass die Anlage den Anspruch einer Sortensammlung erhebt. Es ist eine Mischung von Hoch-, Halb- und Niederstammbäumen zu finden. Einzelne Bäume sind über 100 Jahre alt, andere Stellen der Anlagen werden neu bepflanzt. Der Strasse entlang wurde eine Hecke angelegt. In der Zwischenzeit ist dies aufgrund der geltenden Vorschriften nicht mehr ganz unproblematisch. Auch die Mäuse lieben die Hecke und die nahestehenden Bäume müssen vor ihnen geschützt werden. An den Hochstammbäumen wächst Efeu, das den Stamm im Frühjahr vor der Sonne schützt. Die Krone jedoch wird konsequent von Efeu freigehalten.

Feuerbrand ist in der Anlage von Hans Brunner kein Thema. Dafür ist er vom Birnbaumsterben betroffen und führt einen ständigen Kampf gegen Schorf. So sind einige bekannte, vor einige Jahren als schorfresistent angepriesene Sorten in der Zwischenzeit ebenfalls von Schorf betroffen. Der Pilz verändert sich im Laufe der Zeit und so werden ehemals resistente Sorten plötzlich sehr allfällig und hilflos gegen den Befall. Hans Brunner erklärt uns, dass es deshalb wichtig sei robuste Sorten zu pflanzen, die einen Befall wegstecken können. So kann ein robuster, komplett von Schorf befallener Hochstammbaum im nächsten Jahr kerngesund und mit vollem Ertrag dastehen. Niederstammbäume erholen sich dagegen weniger gut.

Tierhaltung im Obstgarten gibt es nicht, denn dies wäre eine Konkurrenz zu den Bäumen. Das Gras wird geschnitten und zu Heu verarbeitet. Beginnend mit dem ersten Apfelfall wird während ca. 10 Wochen wöchentlich eine Sammeltour durchgeführt. Ab Mitte/Ende Oktober werden die Bäume geschüttelt und die Äpfel maschinell gesammelt. Eine Alternanz gewisser Bäume wird nicht belassen, so dass einige Bäume leer sind, während andere in vollem Ertrag dastehen.

Im Obstgarten finden sich keine Stützen, die beladenen Äste werden mit doppelten Ballenschnüren aufgebunden. So kann ohne Behinderung mit den Maschinen gearbeitet werden. Das Lieblingswerkzeug von Hans Brunner ist seine hydraulische Leiter. In den 80er beschafft hat das Geräte bereits über 11'000 Betriebsstunden geleistet. Mit der hydraulischen Leiter kann Hans Brunner sehr effizient im Obstgarten arbeiten und von Baum zu Baum wechseln. Dies ist wichtig, wird doch jeder Baum jedes Jahr geschnitten, wobei der Aufwand je nach Bedarf des Baumes zwischen 10 Minuten und 1.5 Stunden liegen kann. Apfelbäume sind Kulturbäume und bedürfen der Pflege durch den Menschen. Für jeden Baum wichtig ist ein kräftiges Gerüst, das in den ersten 15 Jahren aufgebaut werden muss. Anschliessend muss sichergestellt werden, dass die Fruchtäste genügend Licht erhalten. Bei entsprechender Pflege kann die Ertragsphase eines Apfelbaumes bis 250 Jahre dauern. Dass Hans Brunner dies konsequent umsetzt zeigen die durchgehend wunderschönen Baumformen im ganzen Obstgarten.

Beim Rundgang wird ersichtlich, dass Hans Brunner jeden seiner über 1000 Bäume mit seiner Geschichte, Problemen und Bedürfnissen persönlich kennt. Zusätzlich ist die gesamte Anlage akribisch dokumentiert. Auf der Karte des Gartens ist jeder Baum eingezeichnet. In einer Liste sind die Sorten und weitere Informationen zum Baum festgehalten. Unabhängig von Subventionen und Vorgaben wird jedem Baum sein Platz von 10m x 10m zur Verfügung gestellt.

Beeindruckend das Wissen von Hans Brunner rund um die Geschichte des Obstbaus. Die ersten Niederstammbäume kamen vor 100 Jahren aus Berlin. Halbstammbäume wurden in den 50er Jahren als neue Baumform eingeführt. Die Sorte «Sternapi» brachten die Römer vor 2000 Jahren in die Schweiz.

Auch die Obstverwertung wurde ausgiebig besprochen. Verschiedene Sorten sind notwendig um einen guten Most herzustellen. Wichtig ist selbstverständlich auch die Qualität des verarbeiteten Obstes, deshalb werden alle maschinell aufgelesenen Äpfel sorgfältig verlesen.

Bei der Besichtigung des Maschinenparkes unterhalb der Jungbaumkultur wurde klar, dass auch in der Obstproduktion knallharte Kostenrechnungen bei Maschinenanschaffungen nötig sind.
Im Betrieb der Familie Brunner werden die Obstauflesemaschinen nach ungefähr 6 Jahre wieder verkauft um immer ein möglichst aktuelles Gerät zur Verfügung zu haben. Dies ermöglicht eine möglichst grosse Ausfallsicherheit bei kalkulierbaren Kosten. Eine weitere wichtige Maschine zur Kontrolle der Obstqualität ist die Verlesemaschine mit welcher das Obst auf einem Förderband rollend von Hand aussortiert werden kann.

Ebenfalls im Maschinenpark zu finden sind Mäh und Mulchgeräte zur Bewirtschaftung der Wiesenteile und Baumrüttler um noch hängende Früchte herunter zu schütteln.

Anschliessend an einen kurzen Umtrunk mit frischem Süssmost in der Maschinenhalle war der offizielle Teil der Führung zu Ende. Nach dem kurzen Rückmarsch bedankten wir uns zufrieden und mit einem guten Gefühl bei unserem Führer Herr Brunner.