Wildbienenhotels im Eigenbau
Der Obst- und Gartenbauverein Gränichen lud an einem Samstagnachmittag zum Bau eines Wildbienenhotels. Hintergrund dieser Aktion ist die Reduktion des Honigbienenbestandes durch Krankheiten, die sich in den letzten Jahren rasch in den gemeinsam lebenden Honigbienenvölkern ausgebreitet haben. Viele Völker mussten radikal ausgemerzt werden, um die Weiterverbreitung der Krankheiten einzudämmen, damit ist aber die Bestäubung der Obstbäume und damit der Obstertrag stark bedroht. Wildbienen bestäuben bei der Nahrungssuche genau so wie Honigbienen, leben aber nicht in Völkern sondern führen ein Einzelleben und sind damit von diesen Krankheiten weniger bedroht. Sie brauchen aber geeignete Eiablagemöglichkeiten, die ihnen mit dieser Aktion in den Gränicher Gärten vermehrt zur Verfügung gestellt werden sollen.
Am geplanten Samstagnachmittag trafen sich ein rundes Dutzend Interessierte im Werkraum der Bezirksschule. Rolf Peyer, Kursleiter und Lehrer in Gränichen, hatte schon alles vorbereitet: Die Holzbretter für den Hotelrohbau waren zugeschnitten, die Bohrmaschinen für die Lochung der Buchenscheiter (gewöhnliches Brennholz von der Landi), die frisch geschärften Gartenscheren zum Schnitt der möglichst markhaltigen oder hohlen Äste (Rosen, Holunder, Brombeeren, Malven, Schilf, Bambus, ...) standen bereit. Ob Eltern mit Kindern, Grossväter mit Enkeln, Jugendliche oder Gartenbesitzer, alle Teilnehmenden wurden vom Kursleiter kompetent in das Thema eingeführt: Was ist eine Wildbiene, warum wollen wir sie in unseren Gärten haben, wo fühlt sie sich wohl, wo nistet sie und viele weitere Punkte waren Thema. Die Aufmerksamkeit der Kinder wandte sich nach einer Weile eher dem ausgelegten Material als den Ausführungen des Kursleiters zu, und bald konnte auch mit dem Werken begonnen werden. Die einen schraubten das Häuschen zusammen, die anderen bohrten erst mal Löcher ins Brennholz und die dritten schnitten exakt 10 cm lange Stückchen von den Ästen. Diese Länge braucht es mindestens, damit die Bienen erst zwei Zellen für die Weibchen in die Röhren platzieren können und vorne noch drei für männlichen Nachwuchs - die Reihenfolge hat damit zu tun, dass Weibchen unbedingt geschützt werden müssen um den Nachwuchs über mehrere Generationen sicherzustellen und Vögel zuerst die Gelege vorne raus picken. Es wird sogar von Vögeln berichtet, die ganze Brutröhrchen aus dem Hotel reissen, wenn diese nicht stark genug befestigt sind.
Gegen drei Uhr erfreute Elisabeth Kaufmann, Präsidentin des Obst- und Gartenbauvereins, die Teilnehmenden mit selbstgebackenem Kuchen und Getränken, was von allen sehr geschätzt wurde. Die entstehenden Häuschen waren teilweise schon etwas befüllt, man konnte beim Gespräch bereits fachsimpeln, einige hatten auch Erfahrungen aus vergangenen Jahren anzubieten, sodass da und dort die Stengel und Röhrchen noch besser gesäubert und Schnittkanten angefeilt wurden.
Um vier Uhr waren dann alle mit den Häuschen fertig. Jetzt müssen die Gränicher Wildbienen nur noch die schmucken Hotels finden – die Inserate sind schon aufgegeben.